ANNAHWELT
GLÜCKLICH WIE EIN KIND SEIN, DER WELT INS GESICHT LÄCHELN
 
                                                                                    
     "DIE TOCHTER"

 

Worauf wartest du auf dem Abstellgleis ?

Gedrängt zwischen Menschen mit gelben Davidstern,

gezeichnet wie du.

Wohin eilen deine Gedanken ?

Verzweifelst ins Chaos geraten,

finden keinen Anfang, kein Ende.

Die Erinnerungen malen bruchstückhafte Bilder,

wie bunte Glassteinchen aus dem Guckkasten,

springen und verschwinden.

Treibt Wahnsinn unter den  poetischen Himmel.

Der Wachturm droht, das Tor des Vernichtungslagers steht offen.

Bewaffnete Kreaturen laufen,

sadistische Monster schreien.

Scharfe Hunde fletschen die Zähne.

Die Höllenräder rattern vorwärts,

Hieronymus Bosch Gemälde ziehen vorbei.

Du denkst weshalb deine Kinderwelt zertreten ist,

das Verträumte geraubt.

Der behütete Garten der Kindheit weint,

die Blumen trauern.

Erstarrt vor Angst um sich schauernd,

fragst sich selbst:

Woher kommt das Böse?“

Unausgesprochene Wörter wurden gesagt.

Ich bin die Tochter, ein Segen, die kleine Zippora, das Vögelchen.

Warum darf ich nicht singen ?"

 

 

M.K. Herbst 2007
 
"Die Tochter" wurde im Jahr 2010  durch die Bretano Gesellschaft  in die Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichts angenommen.