Herr Frühling und seine geheime Liebe haben im Engelladen die Aussteuer bestellt.
Der altmodische Romantiker löste seine rote Safiangeldbörse vom Gürtel ab,
holt goldene Sterntaler heraus, zahlt einen Batzen Geld.
Ein verliebtes Kavalier verschenkt reiche Gabe für die heidnische Lichtgöttin, ein bezauberndes Mädchen.
Die Himmelswerkstätten weben, färben, nähen, klöpeln luftige Spitzenhäubchen,
lstricken ustige Schirmchen, kecke Hütchen häkeln und fertigen ein Wunderhorn .
Alles sorgsam gestapelt in Lärchenholzkisten eingepackt, ordentlich auf eine weiße,
mit Rubinen ausgeschmückte Wunderkutsche verladen.
Zwei elegante Lipizzaner tänzeln, so dass die blasslila Kopffederbüschel wippen.
Nur der Fuhrmann lässt sich nicht blicken, obwohl der Kutschermantel, das Capé,
die Pelerine im Wagen liegen.
Ringsum werfen kahle Bäume Schatten, samtweiche Weidenkätzchenpfötchen
streicheln den Wind.
Daneben der Winterling, der gelbe Blüten trägt.
Aus dem Schnee blicken Schneeglöckchen, grüne Schäfte mit zwei blaugrünen Blättern
und einer nickenden hinausbeugenden Blüte.
Krokussen, weiß, gelb, violett zeigen ihre Spitzen.
Laublose, braune Haselnusszweige sind mit honiggelben Ohrringen behangen,
zusammengeknäulte Blätter
schlafen noch tief im Knospenkörbchen.
Filigrane, fransenartige Kugelchen funken, schwanken hin und her, blitzen festlich auf.
Das Haselhuhn zweifelt, ob das die dunklen, starren Gebilde sind.
Bestimmt leerte die Waldfee ihr Schmuckkästchen.
Die Luft verrät, dass hinter dem Sagenturm Belami steht
und ungeduldig an das Tor klopft.
Irgendwo wird er sehnsüchtig erwartet.
Am Firmament schmunzelt der orangenfarbene Frühjahrsvollmond burschikos.
Die blaue Nacht leise fabelt, küsst den reisenden Narr.
Rötlicher Aldebaran nimmt Abschied, folgt den Plejaden.
Der kleine König Regulus steigt zum Himmel auf.
Der schrillgelbe Scheitel scheint, bildet eine Königskrone, die blendende Erscheinung schwebt.
Das Sternbild gibt ein Zeichen, magische Kräfte wie der Hase hoppeln, zweimal links, einmal rechts.
Warme Sonnenstrahlen springen vom Himmel hinab, dumfassen ie Erde zärtlich.
Lichtkringel kreisen, Greifen laufen, trotten ermüdet im Gänsemarsch.
Der Märzmorgen singt ein metrisches Ständchen.
Zwei flinke Schimmel gallopieren los, ziehen die Wunderkutsche, vergoldenes Geschirr
blinkt, die Wunderräder rollen.
Auf dem Thronbock sitzt der Lenz, fühlt sich königlich, hält die Lederriemen in der Hand.
Er lenkt die Kutsche, ruft laut : " hüh " und fährt stolz vor.
Purpurrote Pelerine über dem Mantel baumelt, der schwarze Zylinderhut hopst.
Dabei bläst er leidenschaftlich Posaune .
Der Frühlingszauber beginnt, verteilt pünktlich erlesene Geschenke,
kleidet Wiesen, Wälder, mischt Farbenpartituren, schminkt Blütengesichter, er ist
bekannt durch sein meisterhaftes Können.
Junggrüner Flaum bedeckt Getreidefelder, Mäuseklee, Katzenminze, Ochsenzunge,
Hühnerbiss und heilende Kräuter sprießen im Takt.
Hübsche Himmelsschlüsselblumen streuen duftendes Gold, den großen Himmelsschlüssel in der Seitentasche des
sonnigen Frühligsfrackschoßes gesteckt.
Der Glücksritter öffnet das Überraschungshorn, verspielte Blumen hotten, eine
Vogeljazzband tritt auf.
Der Kranich improvisiert frei, trompetet, schmettert rhythmische Jazzmusik.
Kunterbunte Farbpaletten hüpfen, entwerfen zauberhafte Blumenkompositionen.
Abgerundete Osterblumengewänder leuchten, phantastische Formen vorführend
Blütenkleider perlen,
strahlen farbigen Glanz zurück, weit abstehende Krinolinen flimmern.
Weiß, blaue, rosa Buschwindröschen bieten ihren Charmé an.
Das gelbe Scharbockskraut, die braunroten Blütenblätter und
schuhähnliche gelbe Lippe der Frauenschuhblume erfreuen die Welt.
Die Drossel pfeift das Sonnenlied, die Frühlingssonate spielt forte.
M.K. am 04.03.2008