ANNAHWELT
GLÜCKLICH WIE EIN KIND SEIN, DER WELT INS GESICHT LÄCHELN
                                 
                                                                                  

                      "GOTISCHE FELSKATHEDRALE"

Im kahlen Granitfelsen hämmert der Wind, behaut gotische Türme, meisterhaft spitzt, grobkörnigen Stein glättet, poliert.
 
 Die Quarzkristalle glimmern sobald die Sonne 
 aufgeht, treiben ein glitzerndes Glasperlenspiel Zauberfarben zur Schau tragend.
 Alte Gefährten, Frost, Hitze und Regen geben gefragt einen Rat, fantastische Modelle erschaffen.

Der Künstler kennt die Strenge der Symmetrie, zieht klare Linien, achtet auf magische Zahlen,

zwei lange Ritter hat gemeißelt, gestreckt, festen Harnisch und Schild fachmännisch im Stein geschnitten, gotische Ornamente kunstvoll eingeritzt.
 
Gestraffte Schultern, den Schwertarm freigelassen, eine schmale Hand hält die Lanze, kegelförmigen Helm aufs Haupt aufgesetzt, mit einer gotischen Haube gekrönt, wo der Doppeladler nistet, der Zweite ist der Pickenträger,

unvergängliche Wächter ragen bis in den Himmel, klopfen an das azur blaue, Sternen besäte Tor.

Silberner, burschikoser Mond schließt die Pforte weit auf, erfüllte Hoffnungen klettern munter herunter, beschauen Fabelwesen, die sich vor dem Felsenportal postieren.

Der zweiköpfige rote Drache und ein beflügelter grüner Löwe angeregt sich unterhalten. 

Aus der Außenwand die gut gelaunte Chimäre, das Ungeheuer Sphinx rücken heraus, Mythen erzählen, sonderbare Zuhörer lauschen.

Allegorische Masken schneiden Possen, stellen bildliche Szenen dar.
"Komisch", sagte der Basilisk, "dass wir uns hier getroffen haben".

Seltsame Kreaturen beherrschen das Gesims, ein fünfkeiliger Eberkopf, eine neunköpfige Hydra machen sich breit.

Alte Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ein Stierkopf mit seinen sichelförmigen Hörner blicken herum, gefasst die Welt anschauen. 

Einen vergessenen Erker bewohnt der einsame Greif.
 
Seitlich in der Nische erblüht samtrote Wildrose, die drückt sich in den Sonnenschoss.
 Flockige Rosenköpfe schmücken das rohe Gestein, umarmen es fest, suchen seine Wärme.
Rosige Lichtpoesie gleißt, rosigste Töne gleiten.
Es leuchtet rundes Kirchenfenster mit einer Rosette im Spinnennetz gefangen.
Schlanke Strebepfeiler, Spitzbögen rahmen das Felsenwerk, Moos grüne Konturen färben, pinkige Karthäusernelken duften.

Blass grüne Berggipfel erklimmen steinerne Hellebarden, leisten freiwillig Dienst, in das Sagenland marschieren.

Braun violette, schnee blaue Riesen sind überwältigt, preisen das Unendliche.
Über den Tal schwebt eine gotische Felskathedrale.
 
Der Wanderer bleibt gebannt stehen.

Die Felsenmusik bläst tief die Tuba, hell die Klarinette, sinnlich das Fagott, baut eine Brücke zwischen Traum und Wirklichkeit.

 
 
M.K.  am  28.10.2007