ANNAHWELT
GLÜCKLICH WIE EIN KIND SEIN, DER WELT INS GESICHT LÄCHELN
                                                              
                                                                                                      
 
                                                                                   "Die sichel des Mondes"
     
 
                                                           "DIE SICHEL DES MONDES"
In der blauen Veilchennacht dreht sich ein Gaukelbild am Horizont,
zierliche Sichel des Mondes swingt auf dem Kirchenturm, schwingt hin und her,
das schlüsselblumenfarbige Lunakleid schillert, flirtet ungezügelt von den charmanten, blendend aussehenden Stern entzückt.
Der Wind kräftig pustet, mit vollen Backen bläst Dudelsack.
Rasch schiebt die Schleiereule den Federkranz um die Augen beiseite,
hüpft rhythmisch , dreimal rechts, zweimal geradeaus, dann wieder zurück.
Gelbäugiger Waldgeist Bubo Bubo kommt geräuschlos angeflattert,
hellbraunen Federohren aufrichtend ruft hu, huu.
Grüne Mäuse pfeifen, die großen Ohren spitzen.
Daneben ordnet hübsche Turteltaube ihr violettrosa Brustfedermäntelchen,
die korallenrote Augen schauen geziehlt herum, fahnden nach dem schicken Tauber.
Braun befrackter Edelmarder putzt sein begehrtes Fell, bindet eine weiße Fliege unter dem Kinn,
knöpft die weiße Weste zu.
Fein ausstaffiert will der flinken, schnellen Wieseldame gefallen,
wirkungsvollen Eindruck machen.
Sagt laut: “ so eine Nacht zum Verlieben darf ich nicht verpassen“.
Eleganter Baumfalke gibt keine Antwort, selbst ein Modegag im schiefergrauen Federgehrock ,
den fahlgelben Hemdkragen herausgerückt, die rostrote eng anliegende Federhose angezogen,
zeichnet tief verbeugt einen Kratzfuß , wagt ein Tänzchen.
Sanft drückt er an die sonnige Goldammer an sich.
Anmutig fangen sie an Backe an Backe links um bei den Klängen der Dudelsackmusik
Hopswalzer zu scherbeln.
Gesellige Dohlen plaudern, die Neugierigste neigt ihren aschgrauen Hals,
hört zu, was die Haferkrähen klönen, dabei leichtfüßig Schieber hinlegen.
Den Takt schlägt der bunte Glockenhahn, ritsch ratsch hoppelt, sein roter zackiger Kopfkamm,
rote Kehllappen schaukeln. Vor der Eingangspforte miaut ein dicker Tigerkater hohe Töne.
Seine schlichten Reime beschreiben das schwebende Hänneschentheater.
Schmucker Himmel staunt, vom Schauspiel ergriffen, lässt den bewegenden Moment verweilen.
Bald schickte er eine Schimmelwolke, ein weißes Ross springt wie ein Floh,
holt das helle Scheinchen ab.
Die Reisegefährten klatschen Beifall, sie mögen das Klärchen.
Blinkende schartige Scheibe lächelt, reitet in die geheime Welt, webt magische Kreise.
Aus dem Holzbottich gießen strebsame Mondstrahlen silbernes Licht.
Verdunkelte Landschaften glänzen, funkelnde, silberne Faden als Ackerwinden klettern, ranken.
Blassgrüne bläuliche Motive in Pastell malen, verlorene Städtchen verzaubern,
ein Antlitz voller Fabeln bescheren, offene Straßenbühnen beleuchten.
Unerwartet erscheint Pantalonsdiener, der Harlekin.
Selbstgefällig trägt er grauen Trikotanzug mit grellen Rhomben und Dreiecken besetzt.
Ulkige Stoffhörnernkappe bedeckt seinen geschorenen Kopf.
Das Gesicht verbirgt er hinter schwarzen Halbmaske.
Vornehm reicht der koketten Kolombine die Hand, ihr tief in die Augen sehend, süße Blicke wirft.
Sogleich führen sie leidenschaftlich pantomimisches Drama auf.
Komischer Pierrot mit weiß wallendem Gewand, weiß geschminkt, schmunzelt breit ausgelassen,
wartet auf die Pierrette, damit sie eine Pantomime in Szene setzen.
In den Marionettentheater führt verwachsener Polichinelle Regie, Heimlichkeiten weitererzählt.
Trotzdem behält die Schauspielkiste die behagliche Atmosphäre.
Ringsum schlendern Märchengestalten. Verblüfft grinst der Wolf, beschützt das Geißlein,
bewacht Rotkäppchen Korb.
Sieben Zwerge haben rote Zipfelmützen aufgesetzt, weiße Bärte durchgekämmt,
mit kurzen Schritten gehen.
Vertrauter Zwergenmeister Alberich hütet das zarte Schneewittchen.
Schönes Aschenputtel denkt an das Rendezvous unter dem Lindenbaum neben dem Brunnen.
Treue Graugänse spürten ihre Gedanken, sind sofort zugeflogen, breiten die Tragflügel aus,
bieten der Freundin eine Fahrt an.
Beisammen starten, pünktlich angekommen, möchten den Abschied sie vermeiden.
Junges Mädel fällt den geliebten Prinzen um den Hals, schenkt ihm eine rosa Nelke.
Der hochgewachsener Prinz umarmt seine kostbare Cinderella. Einander liebevoll zugetan, wissen,
dass Zukunftsträume fassbar bleiben. Häusliche Kobolde, irdische Gnomen
stellen schwärmerisch Ritterturniere plastisch dar.
Tapfere Ritter zu Pferd kämpfen, Kettenpanzerhemden schimmern, die Schwerte blitzen,
Wappenschildern krachen, Wimpel fliegen.
Im Kreis sitzen Damen, Fürsten, Paladine, umjubeln die ritterliche Geschicklichkeit
ohne Furcht und Tadel der Musik der Hofkapelle lauschen. Mutiger Ritter Konrad hält den Damenhandschuh, die Angebetete begrüßt und Minnedienst erfüllt.
Die Knappen schlagen heftig bravo , Siegesposaunen hallen, provenzialische Troubadouren
treten auf, besingen die Treue des Ritters, seine Heldentaten.
Der Herold in Wappenrock und Tappert kündigt das Ende an, flackernde Fackeln brennen ab,
Fanfaren leise verstummen.
Am Fluss planschen schlanke Nixen, waschen grüne Haare, Wasserballett tanzen.
Auch die Lichtelben sind da. Für eine Weile das Reich der Sagen verlassen,
die Erinnerungen wahrnehmen. Sylphidenhafte Blumenelfen flechten Anemonenkränze ,
Baumelfen flanieren.
Zu der mächtigen Feensburg hinaufsteigen.
Den Gehweg versehen mittelalterliche Feldschlangen, Levkoje Düfte säen.
An das hölzerne Burgtor pocht der schalkhafte Puck.
Am Markt Bänkelsänger stimmen Schauerballaden ein, Spielleute tragen höfische Epen vor.
Wandernde Säulenakrobaten, Schlangenmenschen, Stelzengänger eingeübte Kunststücke zeigen,
die Trommelstöcke klopfen.
Durch grob behauten Kopfsteinpflastergassen stolzieren Schembarte.
Mittendrin springt der Narr mit gelben rote Schnabelschuhen, seine Narrenkappe sitzt fest,
runde Schellen bimmeln. Froh gestimmt die Menschen zum Lachen bringt,
vortrefflich Pointen findet.
Nürnbergische Meistersänger singen fehlerlos dreistimmige Lieder.
An der Straßenecke schaut beflügelte Drache das Spektakel an, guckt berauscht,
seine feurigen Augen sprühenWohlgefallen.
Unbedingt muss er über die Maskerade der pinkigen Schlange ausführlich berichten.
Das kleine Mädchen ohne Schwefelhölzern schläft, nur der schlaue Felix
sucht die lange Stufenleiter. Rätselt, wann der Bäckermeister die letzte Sprosse erklimmt
und das glasierte gebogene, goldene Hörnchen ans Firmament schleudert.
Die Phantasie gibt ihm die Antwort.
Überraschend stürzen Sternschnuppen, wecken Dornröschenwelt,
die Sonnenröschen rot, weiß, gelb blühen auf.
Draußen steht ein strammer Morgen.
 
M.K. am 25.10.2007