In der blauen Veilchennacht dreht
sich ein Gaukelbild am Horizont,
zierliche
Sichel des Mondes swingt auf dem Kirchenturm,
schwingt
hin und her,
das schlüsselblumenfarbige Lunakleid schillert,
flirtet
ungezügelt von den charmanten, blendend aussehenden Stern entzückt.
Der Wind
kräftig pustet, mit vollen Backen bläst Dudelsack.
Rasch schiebt die Schleiereule den Federkranz
um die Augen beiseite,
hüpft rhythmisch , dreimal rechts, zweimal
geradeaus, dann wieder zurück.
Gelbäugiger Waldgeist Bubo Bubo kommt
geräuschlos angeflattert,
hellbraunen Federohren aufrichtend ruft hu,
huu.
Grüne Mäuse pfeifen, die großen Ohren spitzen.
Daneben ordnet hübsche
Turteltaube ihr violettrosa Brustfedermäntelchen,
die korallenrote Augen schauen geziehlt herum,
fahnden nach dem schicken Tauber.
Braun befrackter Edelmarder putzt sein begehrtes
Fell,
bindet eine weiße Fliege unter dem Kinn,
knöpft
die weiße Weste zu.
Fein ausstaffiert will der flinken, schnellen
Wieseldame gefallen,
wirkungsvollen Eindruck machen.
Sagt laut: “ so eine Nacht zum Verlieben darf
ich nicht verpassen“.
Eleganter Baumfalke gibt keine Antwort, selbst
ein Modegag
im schiefergrauen Federgehrock ,
den fahlgelben Hemdkragen
herausgerückt,
die rostrote eng anliegende Federhose
angezogen,
zeichnet tief verbeugt einen Kratzfuß , wagt
ein Tänzchen.
Sanft drückt er an die sonnige Goldammer an
sich.
Anmutig fangen sie an Backe an Backe links um
bei den Klängen
der Dudelsackmusik
Hopswalzer
zu scherbeln.
Gesellige Dohlen plaudern, die Neugierigste
neigt ihren aschgrauen Hals,
hört zu,
was die Haferkrähen klönen, dabei
leichtfüßig Schieber hinlegen.
Den Takt schlägt der bunte Glockenhahn, ritsch
ratsch hoppelt,
sein roter zackiger Kopfkamm,
rote
Kehllappen schaukeln.
Vor der Eingangspforte miaut ein dicker
Tigerkater hohe Töne.
Seine schlichten Reime beschreiben das
schwebende Hänneschentheater.
Schmucker Himmel staunt, vom Schauspiel
ergriffen,
lässt den bewegenden Moment verweilen.
Bald schickte er eine Schimmelwolke, ein weißes
Ross springt wie ein Floh,
holt das helle Scheinchen ab.
Die Reisegefährten klatschen Beifall, sie mögen
das Klärchen.
Blinkende schartige Scheibe lächelt, reitet in
die geheime Welt,
webt magische Kreise.
Aus dem Holzbottich gießen strebsame
Mondstrahlen silbernes Licht.
Verdunkelte Landschaften glänzen,
funkelnde, silberne Faden als Ackerwinden
klettern, ranken.
Blassgrüne bläuliche Motive in Pastell malen,
verlorene Städtchen verzaubern,
ein Antlitz voller Fabeln bescheren, offene
Straßenbühnen beleuchten.
Unerwartet erscheint Pantalonsdiener, der
Harlekin.
Selbstgefällig trägt er grauen Trikotanzug mit
grellen Rhomben und Dreiecken besetzt.
Ulkige Stoffhörnernkappe bedeckt seinen
geschorenen Kopf.
Das Gesicht verbirgt er hinter schwarzen
Halbmaske.
Vornehm reicht der koketten Kolombine die Hand,
ihr tief in die Augen sehend, süße Blicke
wirft.
Sogleich führen sie leidenschaftlich
pantomimisches Drama auf.
Komischer Pierrot mit weiß wallendem Gewand,
weiß geschminkt,
schmunzelt breit ausgelassen,
wartet auf
die Pierrette,
damit sie eine Pantomime in Szene setzen.
In den Marionettentheater führt verwachsener
Polichinelle Regie,
Heimlichkeiten weitererzählt.
Trotzdem behält die Schauspielkiste die
behagliche Atmosphäre.
Ringsum schlendern Märchengestalten.
Verblüfft grinst der Wolf, beschützt das
Geißlein,
bewacht Rotkäppchen Korb.
Sieben Zwerge haben rote Zipfelmützen
aufgesetzt,
weiße Bärte durchgekämmt,
mit kurzen
Schritten gehen.
Vertrauter Zwergenmeister Alberich hütet das
zarte Schneewittchen.
Schönes Aschenputtel denkt an das Rendezvous
unter dem Lindenbaum
neben dem Brunnen.
Treue Graugänse spürten ihre Gedanken, sind
sofort zugeflogen,
breiten die Tragflügel aus,
bieten der
Freundin eine Fahrt an.
Beisammen starten, pünktlich angekommen,
möchten den Abschied sie vermeiden.
Junges Mädel fällt den geliebten Prinzen um den
Hals,
schenkt ihm eine rosa Nelke.
Der hochgewachsener Prinz umarmt seine kostbare
Cinderella.
Einander liebevoll zugetan, wissen,
dass Zukunftsträume fassbar bleiben.
Häusliche Kobolde, irdische Gnomen
stellen
schwärmerisch Ritterturniere plastisch dar.
Tapfere Ritter zu Pferd kämpfen,
Kettenpanzerhemden schimmern,
die Schwerte blitzen,
Wappenschildern
krachen, Wimpel fliegen.
Im Kreis sitzen Damen, Fürsten, Paladine,
umjubeln die ritterliche Geschicklichkeit
ohne Furcht und Tadel der Musik der Hofkapelle
lauschen.
Mutiger Ritter Konrad hält den Damenhandschuh,
die Angebetete begrüßt
und Minnedienst erfüllt.
Die Knappen schlagen heftig bravo ,
Siegesposaunen hallen,
provenzialische Troubadouren
treten auf,
besingen die Treue des Ritters,
seine Heldentaten.
Der Herold in Wappenrock und Tappert kündigt
das Ende an,
flackernde Fackeln brennen ab,
Fanfaren leise
verstummen.
Am Fluss planschen schlanke Nixen, waschen
grüne Haare, Wasserballett tanzen.
Auch die Lichtelben sind da.
Für eine Weile das Reich der Sagen verlassen,
die Erinnerungen wahrnehmen.
Sylphidenhafte Blumenelfen flechten
Anemonenkränze ,
Baumelfen flanieren.
Zu der mächtigen Feensburg hinaufsteigen.
Den Gehweg versehen mittelalterliche
Feldschlangen, Levkoje Düfte säen.
An das hölzerne Burgtor pocht der schalkhafte
Puck.
Am Markt Bänkelsänger stimmen Schauerballaden
ein, Spielleute tragen höfische Epen vor.
Wandernde Säulenakrobaten, Schlangenmenschen,
Stelzengänger eingeübte Kunststücke
zeigen,
die Trommelstöcke klopfen.
Durch grob behauten Kopfsteinpflastergassen
stolzieren Schembarte.
Mittendrin springt der Narr mit gelben rote
Schnabelschuhen,
seine Narrenkappe sitzt fest,
runde
Schellen bimmeln.
Froh gestimmt die Menschen zum Lachen bringt,
vortrefflich Pointen findet.
Nürnbergische Meistersänger singen fehlerlos
dreistimmige Lieder.
An der Straßenecke schaut beflügelte Drache das
Spektakel an, guckt berauscht,
seine feurigen Augen sprühenWohlgefallen.
Unbedingt muss er über die Maskerade der
pinkigen Schlange ausführlich berichten.
Das kleine Mädchen ohne Schwefelhölzern
schläft, nur der schlaue Felix
sucht
die lange Stufenleiter.
Rätselt, wann der Bäckermeister die letzte
Sprosse erklimmt
und das glasierte
gebogene, goldene Hörnchen ans
Firmament schleudert.
Die Phantasie gibt ihm die Antwort.
Überraschend stürzen Sternschnuppen, wecken
Dornröschenwelt,
die Sonnenröschen rot, weiß, gelb blühen auf.
Draußen steht ein strammer Morgen.
M.K. am
25.10.2007