ANNAHWELT
GLÜCKLICH WIE EIN KIND SEIN, DER WELT INS GESICHT LÄCHELN
             
 
 
                   
 
 
"DER HERBST KOMMT"
Der Himmel schaukelt so nah über der Erde, dass du ihn anfassen kannst.
 
Der Mond, die Sterne blicken anders in die Ferne, die milde Sonne zündet Feuer auf akeleiblauem Gewölbe an.
 In dem breiten Herbstofen bäckt der Nikolaus Pfefferkuchen und Plätzchen.
 Dieses erzählen meiner Mutter kindliche Märchen.
 Reife Birnen und Äpfel berauschen die Luft Sinnenfreude streuend.

 Der Acker mit weißen, grünen, blauen Kohlköpfen, bunten Rüben bestickt, fleissig  erntet.

 Ein schrecklich orangener, bauchiger Kürbis leuchtet, lustige Papierdrachen steigen.
 Der Duft einer gebratenen Kartoffel kitzelt die Nase, Annas Gesichtchen ist verschmiert .
 Weiße, seidene Spinnenfäden kringeln in der Luft, rapsfarbene Lichtflecken Fangspiel laufen.
 Reine Regenperlen behängen stangelige Halme, angeln Sonnenstrahlen, verhexen Wiesen, Wälder und scheinen wieder.
 Dichter Nebel umgarnt Felder, baut eine Milchstraße, die zu den Göttern fährt.
 Eine ganze Palette der Bernstein- und Korallenfarben ist aus einer alten Holztruhe entlaufen.

Festliche Gewände zeichnen kubistische Muster, kupferrote, ockergelbe Ornamente streichen,

 flammige Dahlien grüßen den Oktober.
 Bronzene Wandelsgemälde ziehen vorüber.

Vom behaglichen Kastanienbaum springen bräunliche, dicke stachelige Igel, Saltos schlagen,

platzen dabei die festen, harten Schalen, knallen, kurze, dumpfe Laute hallen.

Lackierte, kastanienbraune, wohlgeratene Samen kugeln.
Der kleine Max bastelt Pferdchen, Hampelmännchen.
Der fahlrote Wald spürt die schwindende Zeit, eröffnet einen Abschiedsball.

Fahrige Blätter irren als  Schmetterlinge, flatternd herum, schwirren leise, drehen

Tänze, reisen in den Windeszügen dahin.

Gegabelte Schwalbenschwänzchen winken.

 Um die Äste wirbeln wild die letzten goldene Blätter, verwelktes Gold

raschelt unter den Füßen.

Verbleichte Rosen frösteln an den Stengeln.

Ohne Worte spricht die Vergänglichkeit, fließt eine Symphonie der Harmonie,

die auf uns warten lässt.

Im Laubtempel spielt der Herbst Barockmusik, zarte, runde Orgelklänge

verwehen langsam, Sehnsuchtvögel lauschen.

Alles dreht sich wie in einem Guckkasten, eine Flut nostalgischer Bilder bricht ab.
Irgendwo sprießt hellgrüne Wintersaat.
 
M.K. am 28.10.2007