Herbst ist wieder da. Die Blätter werden langsam bunter. Die reifen Nüsse wurden von gierigen Einhörnchen aufgesammelt. Abends wird es langsam kälter und Nebel kommt als Schleier auf die Felder herunter. Der Mond scheint mehr verträumt wie gewöhnlich. Eigentlich is es zu kalt um in den Garten zu sitzen, aber es ist noch gemütlich, wenn man eine warme Decke dabei hat und eine heißeTasse Tee.
"Guten Abend", hörte ich.
Bevor ich "Guten Abend" sagte drehte ich mich in die Richtung des Besuchers. Ein älterer Mann mit grauen Mantel und kleinen weißen Hund stand neben den Gartenzaun und lächelte mich frundlich an.
"Guten Abend", antwortete ich etwas erstaunt.
Mir war auf einmal bewußt, dass er die Rosenkatzen auch kannte.
"Ich wollte nur ihren Garten anschauen", sagte er höfflich.
"Gerne", sagte ich.
"Wie sie sehen können, liebe ich Rosen, alte Pflanzensorten sowieSchmeterrlingspflanzen. Es ein Naturgarten, wo sie Spinnen und wilde Wespennester finden können.Dieses Jahr habe ich sogar parr Tomaten gepflanzt", erklärte ich kurz.
Der Mann lächelte mich kurz an, schaute sich im Garten um und sprach mich leise an: "Ich kenne Sie aus den Erzählungen der Rosenkatzen"
.
"Oh, sie haben meine Geschichten gelesen", meinte ich.
"Oh ja, alle 40", sagte er freundlich.
"Alle 40 ?", fragte ich etwas erstaunt. "Bis jetzt sind es nur 13 Geschichten veröffentlicht", stellte ich fest.
Er lächelte mich an und sagte: "Sie wollten zuletzt mehr über die Zeitverschiebung erfahren".
"Ja, stimmt", antwortet ich beruhigt, "denn so endete meine 13 Geschichte".
"Ich habe ihr Buch zu Hause, wo alle 40 Geschichten zu finden sind", erklärte er freundlich.
"Sind sie es sicher, dass sie mich nicht mit anderer Autorin verwechseln?", fragte ich vorsichtig.
"Nein", antwortete er bestimmt. In dem Buch befindet sich ihr Foto und ....." da unterbrach er.Sein kleiner Hund witterte ein weißes Kaninchen und lief schnell hinterher.Der Mann drehte sich um, dann wieder zu mir, sagte schnell "Entschuldigung, aber die Strasse ist zu nah".... und ging so schnell er konnte seinen weißen Hund hinterher. Ich stand sprachlos da. War es in Zufall oder ....
"Es war kein Zufall", hörte ich aus der Ecke. "Es war der Bibliothekar".
Ich drehte mich und sah ein weißes Kaninchen in der Ecke. Dann hörte ich ein Lachen, das immer lauter wurde. Es war die Rosenkatze, die vom Lachen sich fast gebogen hat.
"Du dachtest, dass das weiße Kaninchen zu dir gesprochen hatte", sagte sie und lachte unverschämt weiter.
"So abwägig ist es nicht", antwortete ich leicht iritiert.
"Stimmt", bestätigte die Rosenkatze" wenn blaue Kaninchen sprechen, warum auch nicht die weißen", bestätigte sie und lachte vergnügt.
"Ich frage mich, ob der älterer Mann tatsächlich mein Buch hat", dachte ich laut nach.
"Warum bist du so mißtraurisch?" fragte die Rosenkatze.
"Die Zeitverschiebung ist nichts besonderes. Wir nutzen sie oft, vor allem dann, wenn wir unsere Wege ungestört gehen wollen", erzählte Rosenkatze entspannt.
"Ich glaube dir, dass in deiner Welt die Zeitverschiebung üblich ist", überlegte ich laut "aber auf der Erde ?", fragte ich.
"Die Zeitverschiebung ist nur Zeitreisenden und Rosenkatzen gestattet. Auf der Erde wie irgenwo im Weltall ist es möglich", klärte mich die Rosenkatze auf.
"Es gibt Zeitreisende ?" fragte ich.
"Die Zeitreisenveranstalter können sich von Nachfragen kaum retten. Es gibt so viele interessante Zeitreisen" erzählte die Rosenkatze.
"Zur Zeit werden die Opni Bäumebewohner gerne besucht oder die Laaka Träumer, die die Zeitreisenden sogar sehen können".
"Nicht jeder kann die Zeitreisenden sehen ?", fragte ich erstaunt.
"Stell dir vor, was passieren würde, wenn die Zeitreisende gesehen, geschweige denn hätten diese über die Zeitreisen gesprochen?", fragte mich die Rosenkatze.
"Vermutlich wäre die Geschichte ganz anders verlaufen", sagte ich vorsichtig.
"So ist es", bestätigte die Rosenkatze. "Die Zeitreisende wissen darüber bescheid. Nur in einigen Ausnahmefällen darf ein Zeitreisende sich zeigen oder sogar mit Personen in der besuchten Zeit sprechen"erklärte die Rosenkatze weiter. "Diese Gespräche sind bereits geschehen und verursachen keine Veränderungen".
"Das heißt, dass obwohl jemand aus der Zukunft kommt und die Vergangenheit aus seiner Sicht gesehen, besucht, ist diese bereits passiert?", fragte ich.
Die Rosenkatze lachte und erklärte vergnügt.
"Dein Zeitverständnis ist linear geprägt: Vergangenheit,Gegenwart und die Zukunft liegen in einer Linie", stellte die Rosenkatze fest.
"Wie soll es anders sein?", fragte ich.
"Ich finde es so eingeschränkt, wenn die Zeit so vereinfacht dargestellt wird", sagte die Rosenkatze."Die Zeit ist dehnbar, kann sehr schnell oder sehr langsam fließen, kann schleifen bauen und in ein Zeitkontinuum übergehen. Du kannst dir die Zeit wie ein Raum vorstellen, wo sich viele Türen befinden und je nach dem welche du öffnest, gelangst du an bestimmte Zeitpunkte."
"Und wie finde ich den Raum", fragte ich.
"Du bist in einem Raum, in einem Zeitraum", antwortete freundlich die Rosenkatze "du mußt nur Türen finden um in andere Räume zu gelangen. Jeder Zeitpunkt ist wie Raum mit verschiedenen Türen, die du nach belieben öffnen kannst und so in andere Zeit antreten kannst."
"Wie finde ich die verschiedenen Türen", fragte ich.
"Entweder bekommst du den Meisterschlüssel oder kannst du eine Zeitreise bestellen", antwortete die Rosenkatze und schmunzelte.
"Bestimmt haben die Rosenakatzen die Meisterschlüssel und die Zeitreisende bestellen die Zeitreisen", sagte ich.
"Rosenkatzen brauchen keine Schlüssel", antwortete die Rosenaktze vergnügt.
"Niemals", bestätigte die unsichtbare Rosenkatze. "Wo sollten wir die Schlüssel tragen?", fragte mich die unsichtbare Rosenkatze lachend:"etwa in einer Handtasche oder am Hals hängend?"
"oder am Hut oder noch besser in einem Ohr", lachte die Rosenkatze und drehte belustigt die Augen.
"Es stimmt", antwortete ich, "aber wie könnt ihr Zeitreisen unternehmen ?", fragte ich neugierig.
"Wir sind Rosenkatzen", antworteten die beiden unisono und lächelten mich sehr freundlich an.
"Und wer hat den Meisterschlüssel ?" fragte ich.
"Es gibt Unterschied zwischen den Meisterschlüssel zu haben, zu besitzen oder zu benutzen", erklärte die Rosenkatze.
"Viele Diebe haben Meisterschlüssel, aber sie wissen nicht wozu diese dienen. Es gibt Meisterschlüsselbesitzer, die zwar den Schlüssel haben, aber können diesen nicht benutzen. Dann gibt diejenigen, die Meisterschlüssel besitzen und benutzen können", antwortete höfflich die Rosenkatze.
"Wer besitzt den Meisterschlüssel ?", fragte ich mich."War es etwa der älterer Mann?"
"Du meinst den Bibliothekar?" fragte die unsichtbare Rosenkatze.
"Der Bibliothekar ist eine Ausnahme", erklärte die Rosenkatze. Er passt sich immer der jeweiligen Zeit an, spricht fast alle Sprachen und als älterer, ruhiger Mann ist er für alle vertrauenswürdig. Der Bibliothekar reist sehr viel, denn die Bibliothek muss immer auf den neusten Stand sein und die Informationen über die Buchautoren werden immer von ihm persönlich überprüft".
"Ich dachte mir, dass er einige Geschichte gelesen hatte, aber dass er ein Bibliothekar wäre, habe ich nicht vermutet", sagte ich.
"Genauso, wie du nicht vermutest, dass du einen Meisterschlüssel hast", erwähnte kurz die Rosenkatze.
"Jetzt lernst du ihn zu benutzen, nicht war?", fragte die unsichtbare Rosenkatze und lachte sehr freundlich.
"Ich weiß zwar nicht, dass ich einen Meisterschlüssel besitze, aber trotzdem lerne ich diesen zu nutzen?", es klang wie ein Rätsel für mich.
"Das Treffen mit dem Bibliothekar öffnet den Weg", erklärte die unsichtbare Rosenkatze.
"Es ist die übliche Vorgehensweise", bestätigte die Rosenkatze.
"Es gibt zwar Meisterschlüsselbenutzer, die nie eingeführt wurden, aber diese reisen wie die Rosenkatzen", erklärte kurz die unsichtbare Rosenkatze.
"Gibt es außer der Rosenkatzen, Zeitreisende, die keinen Meisterschlüssel brauchen?", fragte ich."Selbstverständlich", antwortete die Rosenkatze und lachte wirklich vergnügt.
"Diese Zeitreisende auch R genannt, sind ohne definierbaren Gestalt. Sie sind wie eine Energiekugel"...erklärte die Rosenkatze.
"Energiekugeln, die reisen, interessant und seltsam zugleich", sagte ich.
"Es sind Energiegestalten, die jede Form annehmen können und sich nur dann zeigen wenn sie wollen. Wie du weiß, die Menschen können nur in bestimmter Wellenlänge sehen und so alles was in anderer Wellenlänge erscheint, ist für sie unsichtbar", fügte die Rosenkatze hinzu.
"Ich verstehe, es ist so wie manche Bakterien, die erst mit ultravioletten Lichtstrahlen sichtbar werden können", sagte ich.
Da lachte erneut die Rosenkatze: " E sind zwar keine Bakterien, aber es funktioniert genauso."
"Nicht alles kann gesehen werden, obwohl es da ist", sagte alltklug die unsichtbare Rosenkatze und lächelte mich an.
"Es stimmt", antwortete ich und dachte in diesem Augenblick an die unsichtbare Rosenkatze.
Auf einmal ist es Still geworden. Der Mond zeigte sich. Die Sterne blinkten. Die Stille breitete sich aus.
A.H. am 14.11.2009.