Ich hatte Kopfschmerzen und wollte gerade Tee für mich vorbereiten als die Rosenkatze kam. Sie kam sehr leise rein, schaute mich an und stellte fest: "Du hast Kopfschmerzen. "
"Ja, ziemlich starke sogar", bestätigte ich.
"Wie fühlen sich die Kopfschmerzen an ?" , wollte die Rosenkatze wissen.
"Hast du nie Kopfschmerzen gehabt?", fragte ich überrascht .
"Sollte ich ?", antwortete sie fragend.
"Es gibt selten Menschen, die keine Kopfschmerzen haben", antwortete ich.
"Die Rosenkatzen haben keine Kopfschmerzen" fügte die Rosenkatze hinzu. "Wir trinken viel Rosentee, nehmen die Rosensüße dazu und genießen das Leben."
"Du hast recht", sagte ich, "Kopfschmerzen sind oft mit Ärger verbunden."
"Das ist doch offensichtlich", bestätigte die Rosenkatze und lachte leicht verschmitzt. Ihre Augen rollten vergnügt hin und her. "Während du Tee trinkst, werde ich dir eine kurze Geschichte erzählen", fügte die Rosenkatze hinzu.
"Es ist eine Geschichte über den berühmten Kapitän R.D. und seinen Lotsen Jose Higardo Secundo. Der Kapitän R.D. ist am Helixtrabanten aufgewachsen, genauso wie anderen Mitglieder seiner Familie" erzählte die Rosenkatze. "Schon sein Ur-Ur-Ur-Großvater war Schiffskapitän gewesen. Das Wissen über die Sonnenwinde, die in dem Doppelsonnensystem ziemlich unberechenbar sind sowie die Kenntnis über die schwarzen und grauen Löcher, die das Schiff beschädigen konnten, wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Genauso die Lotsen, die grünen Ratten mit außerordentlichem Sinn für Himmelsrichtungsänderungen und für die Gravitationsprobleme, waren bei den Schiffsexpeditionen und Reisen seit Generationen immer dabei ."
"Kann
sein, dass Kopfschmerzen leicht mein Denkvermögen beeinträchtigen,
aber ich habe noch nie von Gravitationsproblemen bei Schiffen gehört?", meinte ich
leise.
"Sicher nicht, denn ich spreche über die
Sonnenschiffe, die zwischen den Sternen segeln.Sie
benutzen die Sonnensegel und die Gravitationskraft damit sie nicht vom Kurs abgehen", erklärte
die Rosenkatze. "Sie sind sehr praktisch und umweltschonend denn die Sonnenenergie ist immer da,
genauso wie die Gravitationskraft."
"Sind es
etwa die Bewohner des Helixtrabanten, die diese Schiffe bauen ?", fragte
ich.
"Nein,
die Schiffe werden im Rahmen des Kooperationsvertrages mit der
Z-Galaxie hergestellt.
Dafür bekommen die Bewohner der Z-Galaxie Lebensjahre geschenkt.",
fügte sie hinzu.
"Wie kann man Lebensjahre schenken ?" ,fragte ich
verwundert.
"Es ist zwar ein Geheimnis,
aber ich werde es dir erzählen", lachte die Rosenkatze wie immer schelmisch.
"Die
Bewohner der Z-Galaxie leben auf
einem Planeten, der sich immer schneller dreht. Die
Tage und die Nächte werden auf
ihrem Planeten immer kürzer und wie du bestimmt weiß, werden
die Lebensjahre der Bewohner auch verkürzt."
"Du hast mir nicht erzählt, dass die Bewohner der
Helixtrabanten Uhren benutzen, die mehr
Stunden oder mehr Minuten anzeigen damit sie mehr Zeit zur Verfügung haben", wollte ich mich
vergewissern.
"So
ist es", bestätigte die Rosenkatze. "Der berühmte Uhrmacher und
Philosoph Klix Zzzzzz
stellt diese Uhren her. Jede Uhr
wird dem jeweiligen Besitzer
angepasst. Dazu misst er das
persönliche Zeitempfinden
und sucht nach einer geeigneten Form. Wenn jemand diese Uhr stiehlt
oder der Besitzer sie
verschenkt , bleibt diese automatisch stehen. Es nutzt nichts sie zu bewegen, denn diese gehört nur dem Besitzer für den sie gefertigt wurde
und begleitet nur seinen Lebensrhythmus."
"Wie
praktisch", meinte ich.
"Diese Uhren zeigen auch in welcher
Verfassung sich der Uhrträger befindet, ob sein Lebenspuls in Ordnung
ist und sie erinnert den
Träger, wann er unbedingt eine Ruhepause braucht", ergänzte die
Rosenkatze.
"So eine
Uhr wäre auch sinnvoll auch für mich", stellte ich fest.
"Auf jeden Fall wären die Kopfschmerzen
nicht da", lachte mich die Rosenkatze freundlich an.
Dann blieb sie still und wir beide
genossen die Gesprächspause. Es
ist schon seltsam, dass die Rosenkatze geschwiegen hat, denn
normalerweise redet sie wie ein Wasserfall. Die Stille breitete sich wie
ein flauschiger Teppich im
Raum. Die Rosenkatze fingleicht zu leuchten. Es war so gering, dass ich
zuerst dachte, dass meine Augen
täuschenmich. Es war ein angenehmes schwaches Leuchten, dass kaum
wahrnehmbar war.
"Was ist
mit dir ?" , fragte ich leise.
"Oh, nichts
besonders", antwortete die Rosenkatze. "Wir haben Besuch bekommen."
Dann sah
ich sie. Eine zweite Rosenkatze war gekommen. Diese war sandgelb mit
wunderbarem goldigen Schimmer und ihre Augen euchteten wie die Wüstensterne.
"Es ist
die Rosenkatze, die die Wüste bewohnt", stellte die
Rosenkatze den Neuankömmling vor.
"Guten
Abend", begrüßte ich sie.
"Guten
Abend", antwortete freundlich die Wüstenkatze.
Ich war
überrascht und fragte mich, warum die Rosenkatze, die Wüste bewohnt mich
besucht.
"Du willst
bestimmt wissen, warum ich zu Besuch komme?", entgegnete die
Wüstenkatze.
"Ja",
antwortete ich leise.
"Ich war
einfach nur neugierig", antwortete die Wüstenkatze.
"Die Rosenkatze hat viel über dich beim
alljährlichen Treffen erzählt", erklärte sie weiter.
"Es freut
mich"antwortete ich, "denn ich möchte möglichst viel über die
Rosenkatzen erfahren."
"Wie du weißt, dürfen wir dir nicht alles
erzählen, denn so verlieren wir unsere Fellfarbe und sie wird genauso wie bei den gewöhnlichen Katzen
werden", ermahnte mich die Wüstenkatze.
"Das
will ich auf keinen Fall zulassen", antwortete ich.
Beide Katzen schauten mich an und fingen
an zu singen. Ihr Katzenduett war eigenartig.
Sie sangen eine Melodie, die ich noch nie gehört habe. Es klang wie eine schlecht
geölte alte Tür begleitet von dump, dump Tiefengeräuschen und von hellen
wohlklingendem Gesang. Dabei
fühlte ich mich immer
entspannter, fröhlicher, denn es klang wirklich eigenartig, fast
sonderbar.
Die Rosenkatzen sangen ihr ungewöhnliches
Duett ziemlich lange. Ich entspannte mich. Danach erzählten die Rosenkatzen über die
Kunst des Rosenkatzengesangs, dass sie seit Jahrtausenden
beherrschen. Die ehrwürdige Rosenkatze
D A II hat es von den Bewohner der Stummen Inseln gelernt.
Diese heilen Trauer, Ärger oder Sehnsucht mit singen.
"Wenn es
Stumme Inseln sind", fügte ich hinzu, "dann sollte es dem Namen nach
dort still sein".
"Du gehörst zu den Menschen, die sich von
Namen täuschen lassen", stellte die Wüstenkatze fest.
"Es ist üblich, den Namen gewisse Eigenarten zuzuschreiben" , antwortete
ich.
"Ja, es stimmt", bestätigte die Rosenkatze
"aber nicht in diesem Fall. Die Stummen Inseln sind nur für die Zuhörer
stumm, die nicht zu den Inselnbewohner gehören."
"Wie kann
es funktionieren ?", fragte ich.
"Es ist ganz einfach", erklärte die
Rosenkatze." Sie hören und sprechen in ihrer eigenen Frequenz. Die
Besucher, die in anderen Frequenzen
sprechen und hören, weil sie nicht zu den
Inselbewohner gehören, denken dass unglaubliche Stille herrscht. In
Wahrheit können sie ihre Gespräche und Gesang einfach nicht mitbekommen."
"Genauso wie die Wale in den Ozeanen",
meinte ich "oder die Fledermäuse auf der Erde, die wir
Menschen nicht hören können."
"Ja,
genauso", antworteten die beiden Rosenkatzen unisono.
Ich
schaute sie an. Sie strahlten jetzt beide. Feines Leuchten verbreitete
sich um sie.
"Ich kenne verschiedene Arten von Gesang",
erzählte ich inzwischen völlig entspannt, "aber niemals wirkte es so effektiv wie bei
euch."
Die Katzen
hörten es und lächelten mich freundlich an.
"Ja", bestätigte
die Rosenkatze, "du hast das Glück gehabt zwei Rosenkatzen zu hören."
"Gemeinsam
sind wir immer stärker", fügte sie hinzu und verschwand.
Die
Wüstenkatze schaute mich noch kurz an, lächelte freundlich und
verschwand ebenso. Das Gefühl der Freude breitete sich im Raum, dann
fing es an nach Rosen und Zimt zu düften.
"War etwa
eine unsichtbare Rosenkatze auch dabei ?" , fragte ich mich.
"Vielleicht",
hörte ich von weiten und dann sah ich es. Ein leicht
verschmitztes, lustiges Lächeln in der Luft, das sich langsam auflöste.

Hier versuche ich das lustige Lächeln, das sich im Luft langsam auflöste, wiederzugeben.