ANNAHWELT
GLÜCKLICH WIE EIN KIND SEIN, DER WELT INS GESICHT LÄCHELN
 

        
          VI BEGEGNUNG MIT ROSENKATZEN
 
Ich hatte Kopfschmerzen und wollte gerade Tee für mich vorbereiten als die Rosenkatze kam. Sie kam sehr leise rein, schaute mich an und stellte fest: "Du hast Kopfschmerzen. "
 
"Ja, ziemlich starke sogar", bestätigte ich.

"Wie fühlen sich die Kopfschmerzen an ?" , wollte die Rosenkatze wissen.

"Hast du nie Kopfschmerzen gehabt?",  fragte ich überrascht .

  
"Sollte ich ?", antwortete sie fragend.
 
"Es gibt selten Menschen, die keine Kopfschmerzen haben",  antwortete ich.               

"Die Rosenkatzen haben keine Kopfschmerzen" fügte die Rosenkatze hinzu. "Wir trinken viel Rosentee, nehmen die Rosensüße dazu und genießen das Leben."

"Du hast recht", sagte ich, "Kopfschmerzen sind oft mit Ärger verbunden."

"Das ist doch offensichtlich", bestätigte die Rosenkatze und lachte leicht verschmitzt.  Ihre Augen rollten vergnügt hin und her. "Während du Tee trinkst, werde ich dir eine kurze Geschichte erzählen", fügte die Rosenkatze hinzu.

"Es ist eine Geschichte über den berühmten Kapitän R.D. und seinen Lotsen Jose Higardo Secundo. Der Kapitän R.D. ist  am  Helixtrabanten aufgewachsen, genauso wie  anderen Mitglieder seiner Familie" erzählte die Rosenkatze. "Schon sein Ur-Ur-Ur-Großvater war Schiffskapitän  gewesen. Das Wissen über die Sonnenwinde, die in dem Doppelsonnensystem ziemlich unberechenbar sind sowie die Kenntnis  über die schwarzen und grauen Löcher, die das Schiff beschädigen konnten, wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Genauso die Lotsen, die grünen Ratten mit außerordentlichem Sinn für Himmelsrichtungsänderungen und für die Gravitationsprobleme, waren bei den Schiffsexpeditionen und Reisen seit Generationen immer dabei ."

 
"Kann sein, dass Kopfschmerzen leicht mein Denkvermögen beeinträchtigen, aber ich habe noch nie von Gravitationsproblemen bei Schiffen gehört?", meinte ich leise.
 
"Sicher nicht, denn ich spreche über die Sonnenschiffe, die zwischen den Sternen segeln.Sie benutzen die Sonnensegel und die Gravitationskraft damit sie nicht vom Kurs abgehen", erklärte die Rosenkatze. "Sie sind sehr praktisch und umweltschonend denn die Sonnenenergie ist immer da, genauso wie die Gravitationskraft."
 
"Sind es etwa die Bewohner des Helixtrabanten, die diese Schiffe bauen ?", fragte ich.
 
"Nein, die Schiffe werden im Rahmen des Kooperationsvertrages mit der Z-Galaxie hergestellt. Dafür bekommen die Bewohner der Z-Galaxie Lebensjahre geschenkt.", fügte sie hinzu.
 
"Wie kann man Lebensjahre schenken ?" ,fragte ich verwundert.
 
"Es ist zwar ein Geheimnis, aber ich werde es dir erzählen", lachte die Rosenkatze wie immer schelmisch. "Die Bewohner der Z-Galaxie leben auf einem Planeten, der sich immer schneller dreht. Die Tage und die Nächte werden auf ihrem Planeten immer kürzer und wie du bestimmt weiß, werden die Lebensjahre der Bewohner auch verkürzt."
 
"Du hast mir nicht erzählt, dass die Bewohner der Helixtrabanten Uhren benutzen, die mehr Stunden oder mehr Minuten anzeigen damit sie mehr Zeit zur Verfügung haben", wollte ich mich vergewissern.
 
"So ist es", bestätigte die Rosenkatze. "Der berühmte Uhrmacher und Philosoph Klix Zzzzzz stellt diese Uhren her. Jede Uhr wird dem jeweiligen Besitzer angepasst. Dazu misst er das persönliche Zeitempfinden und sucht nach einer geeigneten Form. Wenn jemand diese Uhr stiehlt oder der Besitzer sie verschenkt , bleibt diese automatisch stehen. Es nutzt nichts sie zu bewegen, denn diese gehört nur dem Besitzer für den sie gefertigt wurde und begleitet nur seinen Lebensrhythmus."
 
"Wie praktisch", meinte ich.
 
"Diese Uhren zeigen auch in welcher Verfassung sich der Uhrträger befindet, ob sein Lebenspuls in Ordnung ist und sie erinnert den Träger, wann er unbedingt eine Ruhepause braucht", ergänzte die Rosenkatze.
 
"So eine Uhr wäre auch sinnvoll auch für mich", stellte ich fest.
 
"Auf jeden Fall wären die Kopfschmerzen nicht  da", lachte mich die Rosenkatze freundlich an.
 
Dann blieb sie still und wir beide genossen die Gesprächspause. Es ist schon seltsam, dass die Rosenkatze geschwiegen hat, denn normalerweise redet sie wie ein Wasserfall. Die Stille breitete sich wie ein flauschiger Teppich im Raum. Die Rosenkatze fingleicht zu leuchten. Es war so gering, dass ich zuerst dachte, dass meine Augen täuschenmich. Es war ein angenehmes schwaches Leuchten, dass kaum wahrnehmbar war.
 
"Was ist mit dir ?" , fragte ich leise.
 
"Oh, nichts besonders", antwortete die Rosenkatze. "Wir haben Besuch bekommen."
 
Dann sah ich sie. Eine zweite Rosenkatze war gekommen. Diese war sandgelb mit wunderbarem goldigen Schimmer und ihre Augen euchteten wie die Wüstensterne.
 
"Es ist die Rosenkatze, die die Wüste bewohnt", stellte die Rosenkatze den Neuankömmling vor. "Guten Abend", begrüßte ich sie.
 
"Guten Abend", antwortete freundlich die Wüstenkatze.
 
Ich war überrascht und fragte mich, warum die Rosenkatze, die Wüste bewohnt mich besucht.
 
"Du willst bestimmt wissen, warum ich zu Besuch komme?", entgegnete die Wüstenkatze.
 
"Ja", antwortete ich leise.
 
"Ich war einfach nur neugierig", antwortete die Wüstenkatze. "Die Rosenkatze hat viel über dich beim alljährlichen Treffen erzählt", erklärte sie weiter.
 
"Es freut mich"antwortete ich, "denn ich möchte möglichst viel über die Rosenkatzen erfahren." "Wie du weißt, dürfen wir dir nicht alles erzählen, denn so verlieren wir unsere Fellfarbe und sie wird genauso wie bei den gewöhnlichen Katzen werden", ermahnte mich die Wüstenkatze.
 
"Das will ich auf keinen Fall zulassen", antwortete ich.
 
Beide Katzen schauten mich an und fingen an zu singen. Ihr Katzenduett war eigenartig. Sie sangen eine Melodie, die ich noch nie gehört habe. Es klang wie eine schlecht geölte alte Tür begleitet von dump, dump Tiefengeräuschen und von hellen wohlklingendem Gesang. Dabei fühlte ich mich immer entspannter, fröhlicher, denn es klang wirklich eigenartig, fast sonderbar.
Die Rosenkatzen sangen ihr ungewöhnliches Duett ziemlich lange. Ich entspannte mich. Danach erzählten die Rosenkatzen über die Kunst des Rosenkatzengesangs, dass sie seit Jahrtausenden beherrschen. Die ehrwürdige Rosenkatze D A II hat es von den Bewohner der Stummen Inseln gelernt. Diese heilen Trauer, Ärger oder Sehnsucht mit singen.
 
"Wenn es Stumme Inseln sind", fügte ich hinzu, "dann sollte es dem Namen nach dort still sein".
 
"Du gehörst zu den Menschen, die sich von Namen täuschen lassen", stellte die Wüstenkatze fest.
 
"Es ist üblich, den Namen gewisse Eigenarten zuzuschreiben" , antwortete ich.
 
"Ja, es stimmt", bestätigte die Rosenkatze "aber nicht in diesem Fall. Die Stummen Inseln sind nur für die Zuhörer stumm, die nicht zu den Inselnbewohner gehören."
 
"Wie kann es funktionieren ?", fragte ich.
 
"Es ist ganz einfach", erklärte die Rosenkatze." Sie hören und sprechen in ihrer eigenen Frequenz. Die Besucher, die in anderen Frequenzen sprechen und hören, weil sie nicht zu den Inselbewohner gehören, denken dass unglaubliche Stille herrscht. In Wahrheit können sie ihre  Gespräche und Gesang einfach nicht mitbekommen."
 
"Genauso wie die Wale in den Ozeanen", meinte ich "oder die Fledermäuse auf der Erde, die wir Menschen nicht hören können."
 
"Ja, genauso", antworteten die beiden Rosenkatzen unisono.
 
Ich schaute sie an. Sie strahlten jetzt beide. Feines Leuchten verbreitete sich um sie.
 
"Ich kenne verschiedene Arten von Gesang", erzählte ich inzwischen völlig entspannt, "aber niemals wirkte es so effektiv wie bei euch."
Die Katzen hörten es und lächelten mich freundlich an.
 
"Ja", bestätigte die Rosenkatze, "du hast das Glück gehabt zwei Rosenkatzen zu hören." "Gemeinsam sind wir immer stärker", fügte sie hinzu und verschwand.
 
Die Wüstenkatze schaute mich noch kurz an, lächelte freundlich und verschwand ebenso. Das Gefühl der Freude breitete sich im Raum, dann fing es an nach Rosen und Zimt zu düften.
 
"War etwa eine unsichtbare Rosenkatze auch dabei ?" , fragte ich mich.
 
"Vielleicht", hörte ich von weiten und dann sah ich es. Ein leicht verschmitztes, lustiges Lächeln in der Luft, das sich langsam auflöste.

                              " Das lachen der unsichtbaren Katze"

                                                   

           Hier versuche ich das lustige Lächeln, das sich im Luft langsam auflöste, wiederzugeben.
 
 
 
                                                                           Die Geschichte geht weiter