In der Nacht wurde ich wach. Im Zimmer leuchtete es hell. Zuerst schaute ich nach draußen, aber es gab keinen Vollmond. Tatsächlich leuchtete die Einladung aus dem königlichen Haus. Halb verschlafen stand ich auf und ging in die Richtung des kleinen Tisches, wo ich die Einladung hingelegt hatte.
Die Einladung öffnete sich. Ein blaues Kaninchen mit einem Glöckchen am Hals begrüßte mich freundlich.
"Gute Nacht", hörte ich leise.
"Gute Nacht ?", antwortete ich etwas verwundert, "warum kommst du so spät ?", fragte ich.
"Die Einladung wurde zwar zugestellt, aber jetzt ist es amtlich geworden. Der Wagen wird in zwei Stunden da sein".
"Es tut mir Leid, aber ich erwartete nicht die Einladung um Mitternacht zu bekommen"..., fing ich an zu erklären.
"Wir freuen uns auf Sie", sagte förmlich das blaue Kaninchen und verschwand.
Langsam dämmerte mir, dass die ganze Geschichte von Anfang an so verlaufen sollte. Ich nahm die Einladung in die Hand, auf der plötzlich stand: "Der überausgeschätzte König Adoberto lädt Sie herzlich heute Nacht zum Fest im königlichen Palast ein".
"Was soll ich denn anziehen ?“ fragte ich mich.
Ich öffnete hektisch meinen Kleiderschrank und erschrak. Dort saß eine seltsame Frau mit dunkler Sonnenbrille. Dabei hatte sie eine grün gepunktete Schlange. Ich war einfach sprachlos. Anstatt bequem im Bett zu schlafen, sah ich eine seltsame Besucherin, die in meinen Kleiderschrank saß und mich anstarrte.
"Was machen Sie in meinem Schrank ?", fragte ich verwundert.
Die seltsame Frau ist aus dem Kleiderschrank direkt in mein Zimmer gegangen und schaute mich ohne zu antworten mit dunkler Sonnenbrille an. Die Schlange, die sie trug, bewegte sich leicht in den Armen der Besucherin, schwenkte leicht in meine Richtung und hauchte mich wenig höflich an:“tzzzzzzz“.
Ich drehte mich um.
"Willst du nicht bezaubernd auf dem Fest aussehen. zzzz?", hauchte sie weiter und bohrte mich mit grünlichen Augen an.
Ich fing an mich unbehaglich zu fühlen .
Reisende mit der Schlange Slog
"Wie soll ich es verstehen?", fragte ich um Zeit zu gewinnen.
"Natürlich wollte ich bezaubernd aussehen, aber warum sollte ich es der seltsamen Schlange verraten und vor allem, was soll das Ganze ?", fragte ich mich.
"zzzzzz", hauchte die Schlange überrascht: "Du wusstest nicht, dass ich dich mit meiner Trägerin besuchen werde, zzzzz ?"
"Nein", antwortete ich und versuchte dabei nicht mit Zähnen zu klappern, denn im Zimmer wurde es immer kälter.
Schnell suchte ich einen dicken Pullover. Die fremde Frau stand still, ihre Kleidung glänzte und warf wunderbare Muster an die Wand.
"Gefallen dir die Kleidung und die Muster, die sie auf die Wand wirft, zzzzz ?", hauchte die Schlange weiter.
Irgendwie erinnerte mich die Schlange an eine alte Marktfrau aus Bolivien, die bunte Wolldecken und gewebte Teppiche verkaufte. Sie war genauso aufdringlich wie sie, wenn sie auf dem Marktstand ihre Waren anpreiste.
Die Augen der Schlange glänzten grünlich in der Dunkelheit und wurden immer intensiver.
"Gefällt dir die Kleidung, zzzzzz ?", fragte mich die Schlange erneut.
"Meinst du nicht, dass ich jetzt die Fragen stellen sollte ?", antwortete ich genervt. "Wieso finde ich dich in meinen Schrank und vor allem, was soll die ganze Fragerei über meine Kleidung ? ", sagte ich unhöflich.
"Möchtest du keine besondere Kleidung zu dem Fest anziehen und wunderbar aussehen, zzzzz?", hörte ich erneut. "Ich biete dir meine Dienste an, zzzzz".
"Nein, danke", antwortete ich schroff.
Endlich kam die Rosenkatze. Ich freute mich sie zu sehen.
"Guten Abend", sagte sie höflich.
"Guten Abend ?", fragte ich." Es ist fast Mitternacht, vor kurzem habe ich die königliche Einladung bekommen, jetzt muss mich schnell anziehen und die seltsame Schlange nervt ", sagte ich ohne zu atmen.
Die Rosenkatze lachte. Vergnügt zeigte sie ihre gelblichen Zähne und brachte mich zum Schmunzeln.
"Diese Frau ist eine Reisende, die vor Jahren eine Einladung zu dem königlichen Empfang erhalten hatte", erklärte die Rosenkatze ruhig. "Sie fand genauso wie du die Schlange mit ihrer Trägerin im Kleiderschrank. Die Schlange Slog, so heißt sie, bot ihr ihre Dienste als Modeberaterin an, damit sie bezaubernd auf dem Empfang aussieht. Die Reisende war von der Idee so entzückt, dass sie gar nicht an die Trägerin der Schlange gedacht hatte und nur die Slog würdigte."
"Warum ?", unterbrach ich die Erzählung.
"Nun mal", beantwortete die Rosenkatze, "sie wollte um jeden Preis bezaubernd sein. Alle sollten ihre wunderbare Kleidung bewundern, so dass sie tatsächlich an nichts anderes dachte. Sie sah nur die Kleidung, die wunderbare Muster an die Wand warf. Sie wollte unbedingt ein ebenso wertvolles Kleid tragen. So schön angezogen wollte sie die anwesenden Gäste beeindrucken. Nachdem sie das Kleid angezogen hat, wurde sie selbst zu Schlangenträgerin. Damit wurde die andere Frau frei und konnte endlich sprechen".
"Wieso wird es nicht verboten, dass die Schlange die Frauen ausnutzt", fragte ich.
"Es trifft immer die Richtigen", antwortete kess die Rosenkatze und zeigte ihre gelblichen Zähne.
Plötzlich wurde es ruhig und erheblich wärmer im Zimmer. Die Schlange und ihre arme Trägerin sind spurlos verschwunden.
"Nimmt dir Zeit", erinnerte ich mich und ging in die Küche umTee zu kochen. Ich brauchte einfach eine Ruhepause.
"Was kommt nach der Schlange, noch eine bescheuerte Prüfung, etwa ein Drache mit Hut, der mich zu einer Reise in eine unbekannte Welt einlädt", dachte ich unaufhörlich.
"Du denkst zu viel", sagte die Rosenkatze sehr entspannt.
"Nimmt dir Zeit", sagte sie und fing leise an zu lachen.
Da musste ich lachen. Tatsächlich habe ich einen Lachanfall bekommen, ich konnte mich nicht beruhigen und musste weiter lachen.
Eine Schlange als Modeberaterin:-)))) ..... die im Schrank saß.:-)))).....wie sie gesprochen hatte....zzzzz:-))), ich musste einfach weiter lachen.
Ein paar Minute später.
"Lachen ist doch die beste Medizin", sagte die Rosenkatze. "Ich lache auch gerne".
"Ja", bestätigte ich, "ich auch."
"Lachen kann beruhigen und von Ängsten befreien", belehrte mich die Rosenkatze. "freundliches Lächeln sichert gute Nachbarschaft", fügte sie hinzu.
"Es stimmt, allerdings kann Lachen auch nerven, vor allem dann, wenn es künstlich klingt", fügte ich hinzu.
"Wie erkennst du, dass es künstlich klingt ?", fragte die Rosenkatze vergnügt.
"Du musst kurz an Menschen vorbeigehen, die nur dann Lachen, wenn eine Kamera in der Nähe ist , wenn Fotos gemacht werden wenn sie unbedingt der Welt zeigen wollen, wie lustig sie sind", antwortete ich.
"Guten Abend", hörte ich plötzlich.
Die Wüstenkatze gesellte sich zu uns.
"Wie ich gehört habe, hat dich Slog besucht", sagte sie beiläufig, schaute mich kurz an und fing an zu lächeln.
Es war ein wunderbares, ansteckendes Lächeln. Ich lächelte zurück.
"Ich mag Menschen die lächeln", sagte sie. "Ich mag Menschen, die freundlich lachen", fügte sie hinzu." Lachende Drigis mag ich allerdings nicht"
"Lachende Drigis ?", fragte ich erstaunt.
"Hast du niemals den Planet der Drigis besucht oder etwas über sie gehört?", fragte erstaunt die Wüstenkatze. "Selbstverständlich nicht", beantwortete sie selbst ihre Frage.
Da musste ich schmunzeln.
"Der Planet der Drigis ist mit lila Schleim gefüllt, der sich immer weiter ausbreitet. Er ist von weitem im All sichtbar. Unglaubliche Mengen an Stinkfliegenschwärme kreisen um den Planeten herum. Dort findet man Molusken, Diglos und andere Schleim liebende Tiere. Sie stinken abscheulich nach Schwefel, alten Eiern und verfaultem Gemüse. Viele Drigis wollen ihren Planeten verlassen, allerdings machen es ihre seltsamen Bräuche und Sitten Ihnen schwer eine neue Umgebung zu finden. Drigis haben Angst alleine zu sein, deswegen gehen sie immer in Gruppen und lachen sehr, sehr laut. Sie lachen über Hemden mit Blumen, wenn alle karierte Hemden tragen, sie lachen wenn ein Vogel vorbei fliegt und Passanten beschmutzt, wenn die Saugmücke einen Nachbarn gestochen hatte, wenn jemand einen Unfall hatte oder sogar dann wenn Obst aus Nachbarns Garten geklaut wurde. Sie lachen wenn anderen Schaden entstanden ist", erzählte die Rosenkatze.
"Warum lachen sie darüber?", fragte ich. "Keiner lacht, wenn anderen Schaden entsteht", sagte ich erstaunt.
"Das Lachen läßt sie vergessen, dass sie Angst haben", sagte die Wüstenkatze
"Angst, wovon ?", fragte ich erstaunt.
"Angst selbst zu sein", antwortete die Rosenkatze. "Sie fühlen sich erst wohl, wenn andere unglücklich sind. Dann vergessen sie die eigenen Schwierigkeiten und Probleme. Sie sind deswegen gewisse Zeit glücklich", fügte sie hinzu." Sie vergessen, dass ihr Planet voll Schleim ist, der stinkt. Sie vergessen, dass sie inzwischen ganz schiefe Münder vom vielen Lachen über andere haben und vor allem vergessen sie, dass keiner sie wirklich mag".
"Solche Nachbarn oder Bekannte möchte ich nicht haben", meinte ich.
"Keiner will sie in der Nähe haben", fügte die Wüstenkatze hinzu. "Alle versuchen sie zu meiden und wenn sie das Pech haben, sie in die Nachbarschaft zu bekommen, dann wechseln sie sogar ihren Wohnsitz. Kleine Kinder laufen von ihnen weg und die Hunde knurren, wenn sie sie riechen".
"Trotzdem soll man lachen, denn lachen ist gesund ", sagte die Rosenkatze.
"Lachen mit Freunden bringt Freunde", ergänzte die Wüstenkatze.
Ich schaute die Rosenkatzen an und musste Lächeln. Die beiden sahen so lustig und freundlich aus.
Ich schaute kurz auf die Uhr. Es war genau eine Minute vergangen seit dem ich geweckt wurde.
Rosenkatzen und Mond
"Wie ist es möglich?", fragte ich.
Ich hörte keine Antwort, schaute mich um, die Rosenkatzen waren verschwunden. Bestimmt schauen sie den Mond an und tauschen ihre Geheimnisse aus.
Ich hatte noch zwei Stunden Zeit um mich anzuziehen.
A.H. am 14.12.2009