Ich dachte zuerst, ich hätte es nur geträumt, dass die türkisgrüne Katze gesprochen hat. Ihre Farbe könnte auch eine Täuschung sein, denn die Abendsonne verändert die Farben der Umgebung und außerdem, wie wir alle wissen, sprechen Katzen nicht.
"Nein", sagte plötzlich die Rosenkatze, "du träumst nicht. Ich spreche mit dir, weil ich es möchte."
"Schön", sagte ich, "meine Gedanken kannst du auch lesen? "
"Gelegentlich", grinste die Rosenkatze sichtlich vergnügt. "Denkst du nicht, dass dein Verhalten offensichtlich ist?
Es stimmt, was könnte jemand denken, der eine sprechende türkisgrüne Katze in einem Rosenbusch gesehen hätte.
"Wer bist du?", fragte ich und versuchte dabei entspannt zu wirken.
"Ich gehöre zu den Rosenkatzen, die bekanntlich viel älter als die Menschen sind", erzählte sie.
Ich habe nie etwas von Rosenkatzen gehört. Zudem überlegte ich innerlich angespannt, ob ich morgen zum Arzt gehen sollte. Denn schließlich gehören derartige Geschichten nicht zum Alltag.
"Die Rosenkatzen sind seit Generationen auf der Erde", erzählte die Rosenkatze weiter. "Wir sind so lange da, wie die Rosen, deswegen nennt man uns die Rosenkatzen. Wir lieben am liebsten rote, stark duftende Rosenbüsche.Wir sind auch da, wenn die Rosen nicht blühen", erklärte sie.
"Warum hast du eine so seltsame Fellfarbe für eine Katze?", fragte ich.
"Gefällt sie dir?" sagte sie.
"Ja", bestätigte ich.
Die Katze sah mit dem türkisgrünen Fell und mit den wunderbaren Augen einfach unverschämt gut aus. Die Augen der Katze veränderten sich wieder. Sie wurden violett und dann wieder blau.
"Was sagst du zu meiner Augenfarbe?", fragte sie. "Wie findest du meine Augen?"
"Ich mag blaue Augen", antwortete ich. "Die violetten sind etwas eigenartig, aber sie passen zum Türkis".
"Willst du mich nicht fragen, wo ich sprechen gelernt habe?" fragte sie und lachte dabei schelmisch.
"Eigentlich nicht, denn es passt zu dir", antwortete ich.
"Das gefällt mir. Du bist nicht daran interessiert, wo ich sprechen gelernt habe", lachte sie sichtlich vergnügt. "Du bist so anders als wir, die Rosenkatzen. Geheimnisse zu erfahren ist unsere Spezialität. Wir sind berühmt dafür, dass wir alle Geheimnisse kennen."
"Wenn das nicht eine Angeberei ist", dachte ich mir. "Was für Geheimnisse?" fragte ich unschuldig.
"Alle Geheimnisse, die ganz Kleinen und die Großen", antwortete sie. Dann lachte sie wieder und zeigte dabei ihre gelblichen, leicht schiefen Zähne.
Es sah wirklich lustig aus und ich musste auch lachen.
"Sag mir, wieso kann ich dich sehen und andere nicht ?", wollte ich unbedingt erfahren.
"Du hast recht. Es ist nur zufällig passiert", antwortete sie. "Eigentlich kann man uns nur abends sehen, wenn die Sonne untergeht an einem Donnerstag und dabei müssen die roten Rosen besonders rot sein und gut riechen. "
"Es stimmt nicht", antwortete ich, denn wie ich es vermutet habe, war es eigentlich war kein Zufall.
Es war einfach so wie es sein sollte.